Prolog

"Für Frank: Über romantische Experimente bis zu bildhauerischen Wahrheiten verläuft der Weg kurvenreich und mit Hindernissen - durch Gefühl zum Wissen." A. R. Penck

Frank BreidenbruchFrank Breidenbruch ist ein Künstler im klassischen Verständnis der Moderne: Er philosophiert über die ersten und letzten Gründe unseres Daseins und setzt Gedanken ins Werk, oder er folgt seinen Inspirationen, die er schon während des schöpferischen Prozesses theoretisch unterlegt. Kreation und Reflektion gehen bei ihm eng zusammen, er weiß um die Bedeutung dessen, was er schafft und schaffen will, dennoch: auch das ihm Zufallende, Unvorhergesehene ist ihm willkommen und wird ohne Anstrengung in seine im Wesentlichen kreisende Arbeit einbezogen.

Was ist das Wesentliche für Frank Breidenbruch? Der Mensch in seinen Bedingheiten, das Jenseits seiner Möglichkeiten, die Überwindung seiner Grenzen, die Erforschung unbekannter Sphären in fremden Kulturen, in fremdem Bewußtsein. Er ist ein Künstler, dem der immer wieder neue und doch in sich stimmige Umgang mit Formen und Inhalten Weg und Ziel ist, ein vielfältiger und an sich selbst anspruchsvoller Künstler, der den Übergang zwischen Vorstellung und Wirklichkeit beständig prüft: Eines seiner Lieblingsworte ist "gültig".

Diese Frage hat ihn schon während seiner Ausbildung zum Steinmetz beschäftigt, als seine Aufgabe darin bestand, Grabmale zu fertigen. Was ist, was bleibt gültig angesichts der Endlichkeit? Während seiner freien Bildhauerzeit, dann beim Studium an der Akademie, in Begegnungen und Kooperationen mit anderen Künstlern, in außergewöhnlichen Projekten hat er den Kreis größer gezogen: Welchen Gefährdungen unterliegen wir, und was kann man ihnen entgegensetzen? Die Möglichkeit: tätiges Sein, für Frank Breidenbruch selbst: tätiges Sein für die Kunst. Auch in anderen Techniken: zu Skulptur, Plastik und Zeichnung traten Malerei und Installation, die in seinen Ausstellungen stets zu einer Ganzheit zusammenwachsen.

Bedeutende Anregungen sammelt er auf ausgedehnten Studienreisen quer über die Kontinente, aus der Bekanntschaft mit Menschen, Orten und Legenden, aus dem Leben und dem Arbeiten in anderen Kulturen, deren Spuren, zu Neuem verwandelt, sein Werk prägen. In übergreifenden Synthesen von Form und Inhalt schafft er Sinnbilder und Sinnfiguren, die in der Gegenwart die Vergangenheit einholen und auf die Zukunft verweisen. Vieles, was aus Frank Breidenbruchs Begabung und Engagement hervorgeht, ist schön, erfreut unmittelbar unsere Wahrnehmung und lässt uns träumen, anderes ist erschreckend, zwingt uns zu hinterfragen, was selbstverständlich scheint, oft verbindet sich beides zu einer komplexen Einheit. Manches ist nur für den Augenblick inszeniert, das meiste für lange und für immer wieder, in Stein gehauen, in Bronze gegossen, auf Tafeln und Leinwänden festgehalten in Linie und Fläche.

Antworten sind gefunden, einige, auch ein Haus und ein Atelier in einem Dorf nahe Carrara, nahe den Marmorbrüchen, doch fern von aller Ruhe ist Frank Breidenbruch überall dort zu treffen, wohin ihn seine Suche führt, wo Kunst stattfindet.

©2003 Dr. Jutta Höfel



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